Die rhetorische Frage

Lethargie, den 08.02.2016
Du bist auch nicht gerade die Hellste, oder?

Ich habe keine Kosten und Mühen für dich gescheut und das ist dein Dank? Für mich war es Liebe auf den ersten Blick und du wagst es mich so zu enttäuschen? Es gefällt dir wohl mich in den Wahnsinn zu treiben, oder? Ohne dich waren meine Nächte in tiefste Dunkelheit gehüllt, aber das schien dir ja wenig auszumachen, nicht wahr? Tagsüber komme ich mittlerweile auch ohne dich gut zu Recht, aber in den Abendstunden bin ich zutiefst verletzt, dass du mir die kalte Schulter zeigtest, das amüsiert dich, ist es nicht so? Du gaukeltest mir vor genügsam zu sein, dabei fraßt du mir noch bis vor kurzem die Haare vom Kopf, war das von Anfang an dein Plan?
Als ich dich zum ersten mal sah, war ich von deinen Rundungen und Windungen ganz aus dem Häusschen, du zwinkertest mir zu und ich lief rot an, so war es doch, Liebe auf den ersten Blick, habe ich Recht? Um so schwerer fällt es mir zu realisieren, dass du mir nun keine Aufmerksamkeit schenkst, aber das war dir doch bestimmt egal, nicht?
Ich muss zugeben, auch ich habe Fehler gemacht; So nahm ich, als wir zusammenzogen, deine Anwesenheit oft nicht war, sah sie als selbstverständlich an und würdigte dich nichtmal eines Blickes, das hast du doch wohl auch gemerkt, oder?
Schließlich schrien wir uns an und ich drohte dir dich vor die Tür zu setzen, traurig, nicht? Rückblickend betrachtet tut es mir fast ein wenig leid dich wie einen Hund im Garten verscharrt zu haben, aber dann muss ich daran denken, wie entsetzlich die letzten Tage mit dir waren, du erinnerst dich?
Du hättest vielleicht nicht den Fehler begehen sollen deinen Posten zu verlassen, um mir zu implizieren du seist ein Einbrecher, ich erschrak zu Tode, wolltest du das?
Du sahst keinen anderen Ausweg dein Leid zu beenden, als dich von der Decke auf den Boden zu stürzen, eine Art Kurzschlussreaktion nehme ich an?
Nun sitze ich hier und schreibe mein Gewissen nieder, aus meinem Fenster deine Ruhestätte betrachtend, schön, nicht?
Jetzt schenke ich dir die Aufmerksamkeit, nach der du immer sehntest, fühlst du dich jetzt beachtet?
Auf deinem Grabstein steht: „Was für den einfachen Menschen ein Stein ist, ist für den Wissenden eine Perle“
Ich habe dieses Zitat mit Bedacht ausgewählt, aber das weisst du doch schicherlich nehme ich an?

Wie dem auch sei, ich gehe jetzt los und kaufe mir eine neue Glühbirne. Und diesmal achte ich darauf, dass ich nicht wieder den womöglich seit Jahren brennenden Leuchtkörper aus dem Schaufenster stehle. Wir wollen doch nicht, dass sich das ganze Drama wiederholt, habe ich Recht meine Liebe?

Ruhe wohl.

Ellipse

Heidelberg, 19.01.2016
Hallo. Da Ellipse. Hier sitzend, schreibend an einem Brief. Einfallslos, da keine sich neu verknüpfenden Synapsen.
Die Art zu reden, ein Stempel der kognitiven Fähigkeit. Manch einer darüber nur mangelhaft verfügend. Vor allem in Sachsen.
Regardez ! Das Gefühl von neuen Windungen sich bildend – Nein.
Frei von Sinn der Versuch dieses Schöpfen zu erzwingen.

Heidelberg, 20.01.2016
Nächster Tag. Wieder hier sitzend. Eigentlich bessere Dinge zu tun. Den Gedanken nicht mehr austreibbar zu schreiben. Scheint wohl schon zu spät zu sein. Das andauernde Bedürfnis irgendwas „mal schnell“ zu erledigen, um nicht weiter schreiben zu müssen. Notiz: Katzenfutter kaufen.

Heidelberg, 04.02.2018
War nur eben Tabak holen. Wenig passiert in Zwischenzeit. Habe anscheinend das Katzenfutter vergessen. Seit mehreren Wochen ein widerlicher Gestank mich plagend. Der Sache auf den Grund gehend.

Bremer Hafen, 12.04.2018
Endlich wieder Luft zum atmen. Dachte ich. Moe, momentan sich etwas unwohl fühlend. Scheint den Umzug nicht so gut wegzustecken.
So ruhig die letzten Tage.

Bremer Hafen, 14.04.2018
Beim Tierarzt gewesen. Er mich besorgt anblickend. Es schlecht um ihn stehend. „Wie lange noch?“ „Nicht mehr all zu lang.“ „Egal, für meine Zwecke ausreichend.“ Dem Autofahrer meinen Parkschein gebend.

Bremer Hafen, 15.06.2018
Moe vermissend.

Bremer Hafen, 23.10.2018
Zurück aus der Lethargie. War schön dort. Schrieb viele Postkarten.

Bremer Hafen, 24.10.2018
Briefkasten überquellend. Viele Urlaubsgrüße. Zwang zurück zu schreiben.

Bremer Hafen, 29.10.2018
Sintflutartige Korrespondenz nicht enden wollend.

Unbekannt, 03.05.2026
Ziellos umherirrend. Musste abtauchen. An Verfolgungswahn und Schuldgefühle leidend. Alles hinter mir lassend. Endlich. Die Vergangenheit auf sich beruhend. Neues Problem: Wer bin ich? Auf dem Einwohnermeldeamt mich erkundigend. Die Beamtin am Computer tippend und Akten durchwühlend. Zeitungsanzeige präsentierend. „Auf ewig ruhend“
Stimmt. Musste ihn vortäuschen.

Gummizelle 4, Zeitgefühl verloren
Ist wohl besser so.

Schreckensnachricht

Gerade habe ich einen Blick auf den Kalender geworfen und musste zu meinem Erschrecken feststellen, das heute wieder Montag ist. Ich wunderte mich schon warum mein Wecker klingelte. Eine Tasse Kaffee später kam ich allmählich zu Bewusstsein.

Ein Blick nach draußen genügte um mich wieder in mein, immer noch warmes, Bett zu wünschen. Nachdem ich mir überlegte Krank zu machen, zog ich mich an und lief zu Bushaltestelle. Mich erwarteten grimmige Gesichter, die so aussahen wie mein eigenes. Warum ist es eigentlich so schwer Montags aus dem Bett zu kommen? Ich meine man hatte zwei Tage lang Zeit sich zu erholen und auszuschlafen.

Ich habe keine Zeit mehr darüber zu nachzudenken, ich stehe seit 5 Minuten vor der Eingangstür zum Büro und die Leute starren mich schon komisch an.

Kleiner Spaziergang

Ich fragte mich heute Nachmittag: ,,Warum nicht die letzten schönen Tage des Jahres nutzen und etwas in der Natur spazieren gehen?“

So machte ich mich auf und schlenderte ca. eine Stunde durch ein Waldgebiet in der Nähe meines Wohnorts und kam zu einer wunderbaren Lichtung, welche mir vorher noch nicht bekannt war, obwohl ich schon seit Jahren hier lebe.

Ich schaute mir den wunderschönen Himmel an und ließ meine Gedanken schweifen. Ich genoss diesen Augenblick und mir wurde bewusst, dass sich Menschen heutzutage viel zu wenig in der freien Natur aufhalten.

Wir leben in einer Epoche, die im Zeitraffer abzulaufen scheint; Höher, schneller, weiter, scheinen die einzigen Dinge zu sein, die zählen. Wir haben alle einen mehr oder weniger durchstrukturierten Tagesablauf und vergessen langsam, aber stetig uns zu entspannen und die schönen Kleinigkeiten des Lebens wahrzunehmen. Wir mutieren immer mehr zum homo oeconomicus, ein erdachtes Modell aus der Wirtschaft, welches den Menschen als ausschließlich rational denkendes und gewinnmaximierendes Wesen beschreibt. Ich möchte nicht Teil dieser Metamorphose zu sein und versuche dem in Zukunft entgegen zu wirken oder den Prozess zumindest zu entschleunigen.

Ich rufe auf zum Widerstand, nehmt euer Leben selbst in die Hand!